29.04.2011: Europäischer Tag der Solidarität zwischen den Generationen

 

Am 29.04.2011 fanden sich etwa 70 Personen im Pfefferwerk in Berlin ein, um gemeinsam den europäischen Tag der Solidarität zwischen den Generationen zu begehen. Das „Projektebüro Dialog der Generationen“ und die „Kreisau-Intiative Berlin“ hatten zu einem Aktionstag geladen, der sich mit dem Dialog der Generationen im Allgemeinen und dem Zusammendenken von internationaler Jugendarbeit und intergenerationellem Lernen im Speziellen beschäftigte.

 

Den Auftakt machte Herr Prof. Dr. Dr. Alheit vom Lehrstuhl für allgemeine Pädagogik der Universität Göttingen, der in seinem Vortrag ein „Antikrisenszenario“ entwarf, wie er sich selbst ausdrückte. Gemeint war damit, den demographischen Wandel, der oft als Krisenszenario theamtisiert wird, als gesellschaftspolitische Chance zu begreifen und dementsprechend zu nutzen. So machte er deutlich, dass uns das zunehmende Altern der Gesellschaft beispielsweise erstmals eine verlässlich planbare Zeit nach dem Beruf beschert. Altern sei geradezu ein Wesenszug moderner Gesellschaften, viele kluge Menschen seien sehr alt geworden und hätten bedeutende Leistungen erst im hohen Alter erbracht, führte Herr Alheit aus. So vertrat er auch die Meinung, dass alternde Gesellschaften sensibler für einen Generatioendialog seien. Dazu bräuchte es aber eine neue Ethik des Zusammenlebens der Generationen, wie Alheit auch deutlich machte.

 

Dass eine solche neue Ethik auch im Rahmen internationaler Mehrgenerationenbegegnungen durch das Gespräch auf Augenhöhe zwischen Jung und Alt Stück für Stück geschaffen werden kann, diese Meinung vertrat Michael Teffel, Bildungsreferent für intergenerationelle Projekte der Kreisau-Initiative Berlin. Er nahm Bezug auf wissenschaftliche Forschungen, die zeigen, dass im Rahmen einer internationalen Begegnung bei den Teilnehmenden viele Lernprozesse angestossen, verschiedene Kompetenzen erworben und ausgebaut werden; die internationale Austauscharbeit also einen besonderen Lernraum darstellt, der auch für einen intensiven Dialog der Generationen genutzt werden kann.

 

 

 

Nachdem sich die Anwesenden mit Hilfe eines Dokumentarfilmes einen Eindruck von einer konkreten Kreisauer Mehrgenerationenbegegnung für Väter und ihre Kinder verschaffen konnten, wurde das Thema auf einem abschliessenden Podium von mehreren Seiten beleuchtet.

 

Sören Bollmann, Leiter des deutsch-polnischen Kooperationsbüros der Städte Frankfurt (Oder) und Słubice, Vater und ehemaliger Teilnehmer des vorgestellten Vater-Kind-Projektes „Zwerge treffen Riesen“ machte in seinem Beitrag noch einmal deutlich, wie besonders die intensive Zeit mit seinen Kindern in Kreisau abseits des Alltages für ihn war.

 

Dass internationale Mehrgenerationenbegegnungen ein einmaliges Erlebnis sein können, ging auch aus den Ausführungen von Jürgen Gebracht hervor, der als Co-Organisator und Teilnehmer des Projektes TRAMP vom Deutschen Gewerkschaftsbund und der Volkshochschule Hamm in Nordrheinwestfalen die Teilnehmendenperspektive eines älteren Menschen einbrachte.

 

Michael Götz, Bildungsreferent beim Haus am Maiberg und dort verantwortlich für die Jugendbildung merkte an, dass internationale Mehrgenerationenprojekte immer noch ein sehr experimenteller Pfad seien, der mit viel Ausdauer beschritten werden müsse, da es derzeit an Finanzierungsmöglichkeiten, internen Zuständigkeiten in Ministerien aber auch bei den Bildungsträgern selbst oder etwa an politischer Lobbyarbeit fehle. Darüber hinaus unterstrich er, dass Träger für wirklich gute internationale Mehrgenerationenbegegnungen qualifiziertes Personal bräuchten.

 

Abschliessend deutete Niels Meggers, der beim IJAB e.V. für die internatioale jugendpolitische Zusammenarbeit zuständig ist, noch einmal das Potential des „Tools internationale Jugendarbeit“ für intensive Lernprozesse an und führte aus, dass das Thema „intergenerationelles Lernen“ in den letzten Jahren, von mehreren Seiten an den IJAB herangetragen wurde. Er sähe sehr deutlich den Mehrwert internationaler Mehrgenerationenbegegnungen und könne sich vorstellen, dies in Zukunft immer wieder mitzudenken, so Meggers.

 

So waren sich auch alle Anwesenden nach der abschliessenden Diskussion darüber einig, dass es sich lohnt, den Weg, welchen die Kreisau-Initiative Berlin im Rahmen des Projektes InterGenerationes eingeschlagen hat, weiter mit aller Kraft zu verfolgen.